Ausbildung für Orthopädietechniker in Tunesien

Von zentraler Bedeutung für das Gelingen der demokratischen Umbrüche ist, dass die Menschen eine wirtschaftliche Perspektive erhalten. Denn Mitauslöser der Demonstrationen im Dezember 2010 in Tunesien waren nicht zuletzt die hohe Arbeitslosigkeit, gerade für junge Menschen, und die schlechte Wirtschaftslage. Mit deutschem Wissen und deutschen Geldern wird die Aus- und Fortbildung tunesischer Orthopädietechniker vorangebracht. Am 24. Januar begannen etwa 40 Tunesier ihre Ausbildung zum Orthopädietechniker. Hierdurch soll auch ein Beitrag zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung geleistet werden.

Viele Libyer benötigen orthopädische Hilfsmittel Bild vergrößern Viele Libyer benötigen orthopädische Hilfsmittel (© @sequa gGmbH) Während des Besuchs einer Delegation deutscher Ärzte im März 2012 in Tunesien fiel auf, dass bei den Technikern des Zentrums für orthopädische Geräte (CAO) eine starke Nachfrage nach Fortbildung und Qualifizierung besteht. Das CAO untersteht dem tunesischen Sozialministerium; es erbringt Dienstleistungen im Bereich Orthopädietechnik und stellt orthopädisches Gerät für mehr als 7000 Patienten jährlich her. Infolge der Aufstände in Tunesien und der Unruhen in seinen Nachbarländern, insbesondere in Libyen, aber auch aufgrund zahlreicher Autounfälle, ist der Bedarf an Prothesen, Orthesen und entsprechenden Begleitmaßnahmen gestiegen.

In diesem Zusammenhang haben die Partner CAO und sequa gGmbH einen Projektentwurf vorgelegt, um die Aspekte der medizinischen Betreuung im Rahmen der Orthopädietechnik in Tunesien zu verbessern.

Aus- und Fortbildungskurse

In theoretischen und praktischen Kursen werden die technischen Fertigkeiten der Mitarbeiter des CAO (Techniker und Ausbilder) gestärkt. Im Januar 2013 beginnen 45 Techniker des CAO eine Fortbildung im Wege der Fernlehre. Den praktischen Teil dieser Fortbildung übernehmen deutsche und internationale Orthopädietechniker. 12 leitende Techniker des CAO sind bereits hinreichend qualifiziert, um auf internationaler Ebene den höchsten Abschluss zu erwerben, der sie dazu berechtigt, eine Werkstatt zu leiten und – was noch wichtiger ist – selbst als Ausbilder im Bereich Orthopädietechnik tätig zu werden. Teil des Projekts ist auch eine Modernisierung der Ausrüstung des CAO in Tunis und in den Zweigstellen in den Orten Sousse und Sfax.

Von Handarbeit zur computergestützten Leistenherstellung

Orthopädieprojekt Tunesien Bild vergrößern Die manuelle Herstellung von Leisten soll in Zukunft teilweise computergesteuert erfolgen (© @Christian Schlierf) Erste Geräte wurden ans CAO geliefert, nämlich die so genannten CFAO-Maschinen für die Schuhmacherwerkstatt. CFAO bedeutet Conception et Fabrication Assistée par Ordinateur, das heißt eine computergestützte Fabrikation. Mit Hilfe von Laserpunkten wird am Patienten die Form des nötigen Apparates bestimmt und dann ebenfalls per computergesteuerter Fräse hergestellt. Für das CAO wurde es für die Herstellung von Leisten und Einlagen angeschafft (für orthopädische Schuhe). Die Lieferfirma ist die Firma go-tec aus Münster. Es werden von der Firma Ende Januar drei Mitarbeiter zur Installation und zum Training von zehn Schuhmachern des CAO nach Tunis reisen.


 

Stand 24.01.2013