Besuch des Bundespräsidenten Joachim Gauck und Daniela Schadt in der Tunesischen Republik vom 27. bis 29. April 2015

Dem Bundespräsidenten Gauck wurde ein herzlicher Empfang durch die Bewohner der Stadt Siliana entgegengebracht Bild vergrößern Dem Bundespräsidenten Gauck wurde ein herzlicher Empfang durch die Bewohner der Stadt Siliana entgegengebracht (© Jesco Denzel)

Der Bundespräsident reiste vom 27. bis 29. April für einen Staatsbesuch in die Tunesische Republik. Er wurde von Staatspräsident Beji Caid Essebsi empfangen.

Weitere politische Gespräche fanden mit Vertretern des Parlaments und mit Ministerpräsident Habib Essid statt.


In einer Rede beim Staatsbankett, zu dem Staatspräsident Essebsi eingeladen hatte, würdigte Bundespräsident Gauck die beeindruckende Wegstrecke in Richtung Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, die Tunesien seit der Revolution bewältigt hat. Gegen Versuche von außen, Tunesiens Erfolgsgeschichte zu behindern, habe Tunesien sich beeindruckend gewehrt. Tunesien habe bewundernswert reagiert als Terroristen vor wenigen Wochen – am 18. März – versucht hatten mit einem feigen Anschlag das Land zu verunsichern.

Zur Würdigung des demokratischen Transformationsprozesses, der wesentlich aus dem Landesinneren angestoßen wurde, besuchte der Bundespräsident eine Provinz in Zentraltunesien. In Siliana besichtigte er unter anderem ein Werk des deutschen Unternehmens Dräxlmaier, das seit den 1970er Jahren Verkabelungen für die Automobilindustrie herstellt und ein durch die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) unterstütztes Bürgerbüro.

In Tunis sprach der Bundespräsident mit der Präsidentin der "Kommission für Wahrheit und Würde" über Herausforderungen der tunesischen Übergangsjustiz und hielt die Eröffnungsrede bei der "Europäischen Nachbarschaftskonferenz" der Bertelsmann-Stiftung. Er zog darin historische Parallelen zwischen der tunesischen Revolution von 2011 und den Umbrüchen in Osteuropa Anfang der neunziger Jahre und rief zu Geduld und Weitsicht bei der Entwicklung des neuen Tunesiens auf. Demokratische Gesellschaften entstünden nicht über Nacht sondern müssten mühsam aufgebaut werden. Dabei sei es wichtig, alle Menschen mitzunehmen und Ideologien jeglicher Couleur fernzuhalten.

Bei einem Besuch im weltberühmten Bardo Museum gedachte Bundespräsident Gauck den Opfern des Terrorangriffs vom 18. März. Geführt durch die tunesische Kulturministerin Latifa Lakhdar und den Museumsdirektor Moncef Ben Moussa zeigte er sich beeindruckt von den Ausstellungsstücken des Museums, die den kulturellen Reichtum des Landes und die tiefe historische Verankerung der drei monotheistischen Religionen in Tunesien verdeutlichten. In einem abschließenden Wort an die Pressevertreter betonte er, dass das Eintreten der Tunesier für ein offenes Tunesien, bei ihm einen tiefen und bleibenden Eindruck hinterlassen habe.

Links:

Rede von Bundespräsident Joachim Gauck beim Staatsbankett, gegeben von Staatspräsidenten Beji Caid Essebsi

Eröffnungsrede von Bundespräsidenten Joachim Gauck  bei der ""Europäischen Nachbarschaftskonferenz „der Bertelsmann-Stiftung